Zwischen Sanierung und Insolvenzwelle

Die ausbleibende Insolvenzwelle, die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und das neue Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz: Das Thema Insolvenzen beschäftigt Deutschlands Credit Manager gleich auf mehreren Ebenen. Höchste Zeit für die nächste Sitzung des Arbeitskreises Insolvenzpraxis. Am Donnerstag, 22. April, von 14 bis 16 Uhr geht es im Rahmen einer Online-Veranstaltung um die neuen Entwicklungen.

Wie sich die Zahl der Insolvenzen in diesem und im kommenden Jahr entwickeln werden, ist derzeit völlig unklar. Das liegt zum einen an den vielfältigen Hilfsmaßnahmen für von der Pandemie betroffene Unternehmen. Zum anderen ist dafür aber auch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht verantwortlich.

„Versteckte Insolvenzen“

Die Coface hat auf diese Entwicklung reagiert und für dieses Jahr auf eine Insolvenzprognose verzichtet. Stattdessen hat der Kreditversicherer untersucht, wie viele „versteckte Insolvenzen“ es im vergangenen Jahr gab. Ergebnis: 3.950. Wie kommt das Ergebnis zustande? Die simulierte Insolvenzschätzung ergibt für Deutschland 2020 einen Anstieg der Insolvenzen um 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Tatsächlich fiel die Zahl der Insolvenzen um 15 Prozent. Diese Differenz beschreibt Coface als „versteckte Insolvenzen“. Das heißt: Gemessen an der Anzahl von 2019 wären dies 21 Prozent und somit rund 3.950 ausgebliebene Insolvenzen.

„Staatliche Hilfen halten 25.000 Unternehmen künstlich am Leben“, überschrieb die Creditreform eine Studie, die zusammen mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) durchgeführt wurde. „Die im Zuge der Corona-Pandemie bereitgestellten staatlichen Hilfen haben in vielen Fällen Unternehmen begünstigt, die auch ohne den Lockdown in eine existenzielle Krise geraten wären. Auf diese Weise hat sich ein Rückstau bei den Insolvenzen in Höhe von etwa 25.000 überwiegend kleinen Betrieben gebildet“, heißt es weiter.

Anstieg auf Niveau von 2017

Der Kreditversicherer Euler-Hermes geht für dieses Jahr von einem Anstieg der Insolvenzahlen in Höhe von 6 Prozent aus. „Die Fallzahlen dürften im laufenden Jahr sogar geringer ausfallen als vor der Pandemie im Jahr 2019“, heißt es in einer aktuellen Mitteilung zum Thema. Der Anstieg beginnt der Einschätzung zufolge auch erst im zweiten Halbjahr 2021. Im Laufe des kommenden Jahres, so die Erwartung von Euler-Hermes, wachsen die Insolvenzahlen um 15 Prozent. „Das entspricht in etwa dem Niveau von 2017. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich gut da“, heißt es weiter.

Neues Gesetz

Ebenfalls noch nicht absehbar ist, wie sich das neue Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) auswirken wird. Das Gesetz bietet neue Möglichkeiten der vorinsolvenzlichen Sanierung. Welche Chancen bietet die neue Regelung? Welche Risiken birgt sie für Gläubiger? Worauf müssen Credit Manager achten, wenn ihre Kunden diesen Weg zur Sanierung einschlagen wollen? Fragen, die im Rahmen des Arbeitskreises Insolvenzpraxis beantwortet werden.

RA Matthias Marzluf stellt zunächst die neuen Änderungen in der Insolvenzordnung vor. Durch die anschließende Fragerunde führt Peter Schlindwein, CCM von der Allianz Healthcare Deutschland GmbH. Das StaRUG präsentiert RA Michael Schmidt, Leiter des BvCM-Arbeitskreises Insolvenzpraxis. Die abschließende Fragerunde moderiert erneut Peter Schlindwein.

Anmeldungen: sekretariat@credit-manager.de



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