Sanktionsrisiko neuer Kunden einschätzen

Mit großem Entsetzen blickt die Welt auf die aktuellen Geschehnisse in der Ukraine. Als gezielte restriktive Maßnahmen hat die EU seit Februar fünf Sanktionspakete gegen Russland und Belarus verhängt, die auch für die deutsche Wirtschaft weitreichende Folgen haben. Diese beinhalten laut dem Europäischen Rat alle Personen, die für die Unterstützung, Finanzierung oder Durchführung von Handlungen verantwortlich sind, die die territoriale Unversehrtheit, die Souveränität und die Unabhängigkeit der Ukraine untergraben oder von diesen Handlungen profitieren. Indirekte Auswirkungen wie Inflationseffekte und Lieferkettenprobleme sind bereits im Alltag spürbar.

Spätestens jetzt ist es für Unternehmer an der Zeit, ein Sanktionsscreening durchzuführen und so sicherzugehen, dass die eingegangenen Geschäftsbeziehungen auf rechtlich unbedenklichem Boden fußen. Wie man vorgehen sollte, um sanktionierte Firmen zu erkennen, führt Jens Junak, Country Manager bei Creditsafe Deutschland, genauer aus.

Das Sanktionsscreening

Auf einer Sanktionsliste landen Unternehmen, Institutionen und Personen, wenn Sie an illegalen Aktivitäten beteiligt sind bzw. waren, die eine Regierung oder internationale Behörde für gravierend genug hält, um Beschränkungen oder Verbote zu rechtfertigen. Die Sanktionsliste des Justizportals des Bundes und der Länder kann eingesehen werden, jedoch empfiehlt es sich, weltweite Listen zu prüfen. Mittlerweile gibt es Tools, die ein automatisiertes regelmäßiges Screening von Sanktionslisten ermöglichen.

Lieferketten im Auge behalten

Neben ausgewählten Firmen aus Russland stehen auch Länder wie Syrien, Iran, Nordkorea und Kuba auf Sanktionslisten. Um sich vor Verstößen zu schützen, gilt es deshalb, Lieferketten genauestens zu analysieren und nachzuverfolgen. In der Vergangenheit bezahlte beispielsweise ELF Cosmetics eine Strafe von einer Million Euro, da der Lieferant wiederum von einem nordkoreanischen Unternehmen mit nur einem Produkt beliefert wurde. Es ist sogar wichtig zu verstehen, woher Einzelteile des gelieferten Produktes herkommen. Die Informationen können im Vorhinein mit Fragebögen eingeholt werden, was jedoch auch zu keiner rechtlichen Absicherung führt.

Außerdem bietet es sich an, einen Stresstest für unterschiedliche Szenarien durchführen und zu prüfen, ob direkte Lieferanten sowie deren Zulieferer vom Krieg oder den Sanktionen betroffen sind. Unter Umständen ist ein Umstieg auf alternative Lieferanten ggf. in anderen Märkten oder eine größere Vorratshaltung sinnvoll, um Lieferkettenengpässe zu vermeiden.

„Better safe than sorry“

Bevor neue Geschäftspartner herangezogen werden, ist es essenziell, diese auf mögliche Sanktionen hin zu analysieren. Das spart mitunter Zeit, Geld und bietet Schutz vor Verstößen, die erhebliche finanzielle und Reputationsschäden nach sich ziehen können – aber Achtung: Sanktionierte Firmen oder Personen versuchen nicht unbedingt direkt in den Handel zu treten, sondern erscheinen oft über Partnerunternehmen.

Im gleichen Zuge sollten Neukunden auch einer PEP-Prüfung – kurz für politisch exponierte Personen – unterzogen werden. Diese schaut, ob das Neukundengeschäft mit prominenten Persönlichkeiten zusammenhängt, mit denen aufgrund ihrer politischen Einflussnahme ein erhöhtes Bestechungs- und Erpressungsrisiko einhergeht. Eine PEP muss nicht zwingend schlechte Absichten haben, die Prüfung ist lediglich darauf ausgelegt, dass Unternehmer wachsamer in dieser Hinsicht sind.

 

PEP-Prüfung

Beim KYC-Verfahren („Know your Customer“) geht es in erster Linie darum, die Identität der Kunden zu überprüfen, noch bevor eine Zusammenarbeit zu Stande kommt. Dazu gehört ID-Verifizierung, Identifizierung des wirtschaftlich Berechtigten (UBO) und die beiden bereits erläuterten Analysen zu PEP (Politisch exponierte Personen) sowie Sanktionsscreening.

Obwohl nur regulierte Sektoren gesetzlich verpflichtet sind, das Verfahren umzusetzen, sollte jedes Unternehmen diesen Prozess in die internen Onboarding-Abläufe integrieren, sodass das Risiko, Opfer von Betrug zu werden oder gegen Geldwäsche- und Sanktionsregelungen zu verstoßen, sinkt.

Fazit: Gründliche Checks

Auch wenn Firmen immer vor Abschluss von Neukundengeschäften Risiken analysieren sollten, ist in Zeiten von Krieg und vermehrten Sanktionen oberste Vorsicht geboten. Compliance Checks sind wichtig, um genauestens zu wissen, wer einem gegenübersitzt. Das ist nicht nur für den zukünftigen geschäftlichen Erfolg wichtig, sondern auch, um finanzielle Strafen und Reputationsschäden zu umgehen. Sollten interne Ressourcen fehlen, um solche Checks vorab durchzuführen, lohnt es sich, externe Dienstleister zu beauftragen – das spart Zeit und minimiert das Risiko, doch noch in ein unternehmerisches Fettnäpfchen zu treten.



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