Lichtblicke bei Industriearmaturen

Die weltweite Corona-Krise trübt auch das Geschäft der deutschen Industriearmaturenhersteller im ersten Halbjahr. Dennoch konnte sich die Branche bislang im schwierigen Umfeld gut behaupten. Während sich das Exportgeschäft im Zuge der Auswirkungen der Pandemie sehr verhalten entwickelte, avancierte das Inlandsgeschäft zum Zugpferd der Branche. Vor allem das langfristig angelegte Projektgeschäft wirkt sich bisher noch positiv auf die Umsätze aus. Vor dem Hintergrund eines sehr schwachen ersten Halbjahres 2019 legte der Inlandsumsatz im ersten Halbjahr 2020 sogar um 20 Prozent zu. Das Auslandsgeschäft gestaltete sich 2020 deutlich schwieriger, lag aber aufgrund eines erfolgreichen Jahresstarts noch um 3 Prozent über dem Vorjahreswert.

„Mit einem Umsatzwachstum von 9 Prozent im ersten Halbjahr können die deutschen Hersteller von Industriearmaturen angesichts der weltweiten Konjunkturschwäche sehr zufrieden sein“, kommentiert Wolfgang Burchard, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Armaturen, die aktuelle Lage. Obwohl auch hier und dort Lieferengpässe auftraten und Auftragsstornierungen verzeichnet wurden, musste deshalb noch kaum auf das Instrument Kurzarbeit zurückgegriffen werden. „Die Unternehmen haben ihre Geschäftsabläufe Corona-bedingt angepasst und umfassende Schutzmaßnahmen getroffen. Sie fahren bis auf Weiteres auf Sicht“, ergänzt der Geschäftsführer des VDMA Armaturen.

Unterschiedliche Vorzeichen

Das Geschäft in allen drei Produktgruppen gestaltete sich in den ersten sechs Monaten des Jahres erfreulich. Trotzdem gab es unterschiedliche Ausprägungen. Am kräftigsten zulegen konnten Regelarmaturen mit plus 15 Prozent vor Sicherheits- und Überwachungsarmaturen mit plus 10 Prozent und Absperrarmaturen mit plus 6 Prozent.

Exporte

Im ersten Halbjahr exportierten die deutschen Industriearmaturenhersteller Waren im Wert von rund 2 Milliarden Euro ins Ausland. Das entspricht einem Rückgang von 8,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das Exportgeschäft mit den meisten Handelspartnern wurde durch die zahlreichen Lockdowns im Zuge der Pandemie stark ausgebremst.

Im Fall des wichtigsten Handelspartners China konnte sich das Geschäft nach einer kräftigen Delle zum Jahresauftakt inzwischen wieder beleben und liegt leicht im Plus (plus 1,3 Prozent). Insgesamt wurden Armaturen im Wert von 264,1 Millionen Euro in die Volksrepublik geliefert. Auch in die Schweiz (Platz 7 beim Export) gingen mit 75,0 Millionen Euro 8,2 Prozent mehr Waren als im Vorjahreszeitraum.

Die Lieferungen in das zweitwichtigste Abnehmerland USA brachen jedoch um 16,9 Prozent auf 179,6 Millionen Euro ein. Nach Frankreich gingen ebenfalls deutlich weniger Armaturen als im Vorjahr (minus 10,7 Prozent). Das Land behauptete trotzdem Platz drei der wichtigsten Absatzmärkte mit einem Abnahmevolumen von 110,6 Millionen Euro.

Prognose 2020: Stagnation

Die zuletzt etwas schwächer tendierende Auftragslage lässt darauf schließen, dass sich der Konjunktureinbruch mit einiger Verzögerung auch in der Industriearmaturenbranche bemerkbar machen wird. Wichtige Abnehmerbranchen wie Öl- und Gas sowie Chemie, aber auch der Schiffsbau bekommen die Wirtschaftsflaute nach und nach zu spüren. Größere Investitionsvorhaben werden verschoben oder storniert. „Im zweiten Halbjahr rechnen wir daher mit stärkeren Rückgängen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir aktuell für 2020 nur eine Stagnation“, prognostiziert Wolfgang Burchard.

 



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