„Der Vertrieb erkennt die Vorteile“

Sandra Gerstenschläger wurde im vergangenen Jahr als beste Absolventin der CCM-Qualifizierung 2019/2020 ausgezeichnet. Im Interview mit dem Magazin Der CreditManager erläutert sie, warum sie gerne CCM ist.

Sandra Gerstenschläger

DCM: Warum sind Sie gerne CCM?

SG: Ich bin gerne CCM, weil das Credit Management immer mehr an Bedeutung gewinnt. Gerade jetzt in Pandemiezeiten, wo neue und noch nicht dagewesene Herausforderungen aufgekommen sind, wie die Schließung ganzer Branchen, ist das Thema extrem spannend. Außerdem hat man als Credit Manager immer das gesamte Unternehmen im Blick. Man muss den Spagat zwischen verschiedenen Unternehmenszielen und verschiedenen Bereichen schaffen.

DCM: Wie sind Sie ins Credit Management gelangt?

SG: Angefangen habe ich als Sachbearbeiterin im Forderungsmanagement. Der Begriff Credit Management als eigenständige Funktion war mir da noch nicht bekannt. Mein Arbeitgeber wollte diesen Bereich aufbauen und hat mir daher eine Weiterbildung zunächst zum CCC und später zum CCM angeboten.

DCM: Was macht für Sie den Reiz der Aufgabe aus?

SG: Jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Es gibt immer neue Aspekte, die zu berücksichtigen sind, Abwägungen, die gemacht werden müssen. Mal geht es um Risikokunden, die aber eine sehr hohe Spanne erwirtschaften, mal müssen auch weitere unternehmerische Hintergründe betrachtet werden, weshalb ein Geschäft wichtig ist. Durch die Entscheidungen, die getroffen werden, wird die Liquidität des Unternehmens gesichert.

DCM: Wo sehen Sie die größte Herausforderung im Tagesgeschäft?

SG: Bei meiner Arbeit geht es um das Massengeschäft. Es gibt viele Kleinkredite, die vergeben werden. Hierfür müssen Prozesse geschaffen und am Laufen gehalten werden, damit diese Fälle schnell und trotzdem adäquat überprüft werden können. Die Grenze, wo die Einzelfallbetrachtung anfängt und was noch als Masse mehr schematisch betrachtet wird, muss definiert werden. Das ist eine Herausforderung. Und wie bei jedem Unternehmen gibt es auch hier den Zielkonflikt zwischen Vertrieb und Credit Management, den es täglich zu lösen gilt.

DCM: Wie sind Sie auf die Qualifikation zum CCM aufmerksam geworden?

SG: Mein Arbeitgeber hat mich auf die Qualifikation aufmerksam gemacht und mir angeboten, mich bei der Absolvierung dieser zu unterstützen.

DCM: Was war für Sie der größte Pluspunkt an der Weiterbildung?

SG: In der Weiterbildung konnte man viele andere Credit Manager aus anderen Branchen treffen und Erfahrungen austauschen. Es gibt Einblicke in andere Ansätze und Strategien. Das führt zu neuen Denkanstößen, wie Prozesse im eigenen Unternehmen verbessert werden können.

DCM: Inwieweit können Sie die Inhalte der Qualifizierung für Ihren beruflichen Alltag verwenden?

SG: Ich kann Kunden besser in Ihrer Bonität bewerten, mittels Wirtschaftsauskünften aber vor allem kann ich auch Bilanzen besser interpretieren. Viel geholfen hat die Qualifizierung auch beim Umgang mit dem Vertrieb und Argumentationsmöglichkeiten bzw. Ansatzpunkte zu Lösungsvorschlägen zu finden.

DCM: Wie reagiert der Vertrieb in Ihrem Unternehmen auf die Veränderungen hinsichtlich des Credit Managements?

SG: Der Vertrieb erkennt mehr und mehr die Vorteile einer Zusammenarbeit mit dem Credit Management. Das bedeutet nicht, dass es nicht weiterhin zu Konflikten kommt. Argumente und Informationen des Credit Managements werden aber ernst genommen und es wird gemeinsam nach Lösungen gesucht.

DCM: Wie sehen die weiteren Schritte in der Entwicklung des Credit Managements in Ihrem Unternehmen aus?

SG: Wir werden die systemische Implementierung von Credit Management-Tools weiter ausbauen bzw. vorantreiben. Weiterhin wird eine Kreditrichtlinie eingeführt bzw. die vorhandenen Richtlinien werden im Zusammenhang mit dem Credit Management überarbeitet und daraus eine verbindliche Kreditrichtlinie erstellt. Die MaCM in ihrer Neuauflage bilden dabei die Grundlage. Ein weiterer großer Punkt ist die kontinuierliche Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiter zu den wesentlichen Punkten im Credit Management.



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